Andacht

Liebe Mitglieder der MASH-Gemeinden!

Letztens war wieder auf der Palliativstation im Bethanien unsere Gedenkfeier. Ich habe dort allen einen gefalteten Origami-Kranich geschenkt. Die hab ich nicht selber gefaltet, sondern ein Patient. Er hat schon fast 1.000 geschafft. Denn dann hat er einen Wunsch frei.

Die Idee kommt von Sadako Sasaki. Sie lebte in Hiroshima. Als sie zwei Jahre alt war, zerstörte die Atombombe die Stadt. Sadako erkrankte an den Folgen der Strahlung. Und sie begann, Kraniche zu falten. Es heißt, wer 1.000 Kraniche faltet, dessen Wunsch wird in Erfüllung gehen. Sie wollte wieder gesund werden, Frieden, ein Ende der Gewalt. Tag für Tag faltete sie Kraniche, jeder einzelne ein zartes Zeichen der Hoffnung. Sie hat nicht alle fertigbekommen. Und trotzdem lebt ihre Geschichte weiter und hat eine schöne Kraft. Sie sagt: Glaub an das, was du dir sehnlichst wünschst. Halt dich fest an dem, was du schaffst. Jeder Kranich steht für etwas: Für Menschlichkeit, für Versöhnung, für die Hoffnung, dass wir das Richtige tun können, für Heilung, für Frieden – selbst, wenn die Welt schwer und unübersichtlich und im Grunde nicht aushaltbar ist.

Der Patient, der die Kraniche faltet, wächst damit weit über sich hinaus. Er verschenkt seine Kraniche und gibt damit etwas von seiner Hoffnung weiter. 

Sadakos Geschichte und auch seine Geschichte erinnern daran, dass Hoffnung keine abstrakte Sache ist. Sie lebt in dem, was wir tun, in unserem Umgang miteinander. Auch in Zeiten, in denen vieles zerbricht, können wir Zeichen setzen, die Mut machen und verbinden. 

Also: Lasst uns Kraniche falten. Und wenn Sie jetzt sagen, mir fehlt’s an der Feinmotorik, dann gilt das nicht. Dann falten Sie einfach Kraniche aus Taten: Mit Worten, mit Gesten, mit der Bereitschaft, aufeinander zu achten. Vielleicht ist es nur eine kleine Geste – aber die Summe all dieser kleinen Zeichen kann viel bewegen. Vielleicht sagt die Legende ja, es müssen 1.000 sein, weil man die allein kaum hinbekommt. Weil man sich irgendwie zusammentun muss, um das hinzubekommen. 

Eine gesegnete Zeit!

Ihre Pfarrerin
Anke Prumbaum (Gemeinde Moers)