Liebe Mitglieder der MASH-Gemeinden!
Wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht.
Micha 7,8
Finsternis und Dunkelheit haben sicherlich für jeden von uns eine andere Bedeutung. Es sind Begriffe, die mit Angst und Unbehagen zu tun haben. Mir fiel dazu eine vor längerer Zeit erlebte Situation ein. Ich fuhr spät am Abend in meine Garage und unmittelbar danach krachte das Tor mit lautem Knall herunter. Um mich herum herrschte absolute Dunkelheit. Bei dem Versuch, das Tor wieder hochzuschieben, verriegelte ich es noch und geriet dadurch zusätzlich in Panik. Allein, ohne Fenster, ohne Hilfsperson, ohne Licht, in der Kälte, setzte mein logisches Denken zunächst komplett aus. Erst als ich mich zur Ruhe rief, entdeckte ich den Riegel am Schloss, der sich auch von innen betätigen ließ und mich in die Freiheit zurückbrachte. Dort angekommen, konnte ich ein wenig davon erahnen, wie Menschen sich fühlen müssen, die in Dunkelarrest gefangen gehalten werden, einer Bestrafungsart, um sie zu zermürben und zum Reden zu bringen.
Dunkelheit also verursacht Angst. Man erkennt nicht, was um einen herum geschieht, wer auf einen zukommt, welche Gefahren lauern, und viele kleine Kinder schlafen nur ein, wenn ein kleines Licht an ihrem Bett brennt oder die Tür einen Spalt breit geöffnet bleibt.
In unserem Bibelwort ist von Finsternis die Rede, für mich noch eine Steigerung von Dunkelheit. Finsternis ist aber auch ein Synonym für schwierige Lebenssituationen. Doch Dunkelheit ist nicht nur negativ! Licht und Schatten, Freude und Leid gehören zu einem Menschenleben dazu. Wer niemals im Dunkeln saß, weiß das Licht nicht zu schätzen. So wie die Dunkelheit der Nacht uns Ruhe und Entspannung bringt, so hilft uns die Dunkelheit, im Leben innerlich zu reifen und zu wachsen. So wie die Natur die Dunkelheit benötigt, um neue Kräfte zu mobilisieren, so lassen die dunklen Phasen in unserem Leben Energien und Wege frei werden, die wir überhaupt nicht erahnen konnten und uns vorzustellen vermochten. Aber vor allem helfen sie uns, nach dem Ausschau zu halten, der unser Retter und Helfer sein möchte. Gott wacht über uns, ist bei uns. Gott ist hellwach, ganz Ohr für seine Menschenkinder.
Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen.
Ihre
Helga Schröder