Entschieden gegen alle Formen des Rechtsextremismus!

Der Kirchenkreis Moers verabschiedet vor der Europawahl die folgende Erklärung gegen Rechtsextremismus.

 

„Ein biblisch-theologisch wohl fundierter Glaube ruft alle Christenmenschen und die christliche Kirche in den Widerspruch und Widerstand gegen alle Formen von Rechtsextremismus, auch den sogenannten „neuen“ Rechtsextremismus. 
Dieser verleugnet und verletzt alle wesentlichen Grundsätze, die das Christentum in anthropologischer und ethischer Perspektive ausmachen: die Gleichheit aller Menschen als Geschöpfe Gottes, ihre Gottesebenbildlichkeit, die Verpflichtung gegenüber Bedürftigen, zu denen die Fremden gehören, die bleibende Erwählung des Volkes Israel, die grundsätzliche Überschreitung von ethnischen, sozialen und Gender-Grenzen.“

Zitat: Nikolaus Schneider, früherer Präses der EKiR und Ratsvorsitzender der EKD, am 11.11.2011 in Wittenberg

 

Erschreckt, besorgt und gewarnt durch vielfältige rechtspopulistische Äußerungen und Agitationen, in denen wir eine ernsthafte Gefahr für unsere freiheitliche Demokratie sehen, bekräftigen wir als Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Moers die Worte von Nikolaus Schneider.

Wir schließen uns in ökumenischer Verbundenheit der „Erklärung gegen Rechtspopulismus“ der Herrnhuter Brüdergemeine an und erklären auch unsererseits:

  1. Wir sprechen uns deutlich gegen jede Form von Nationalegoismus und Eurozentrismus aus. Menschen aus der weltweiten Ökumene sind unsere Schwestern und Brüder. 
  2. Christliche Werte und Traditionen sind uns wichtig. Wir akzeptieren nicht, dass sie dazu benutzt werden, Menschen mit anderen religiösen Überzeugungen zu diffamieren oder auszuschließen. 
  3. Jesus, der im Mittelpunkt unserer Kirche steht, war zuallererst jüdischer Lehrmeister. Wir wollen hellhörig sein für alle Formen von Antisemitismus – auch in unserer eigenen Tradition. 
  4. In unserer Kirche bemühen wir uns, mit Unterschieden in Kultur, Überzeugung und Frömmigkeit respektvoll umzugehen. Wir erwarten dies auch von Politikern, Medien und Meinungsmachern in unserer Gesellschaft. 
  5. Das Wissen um das Gewicht des biblischen Gebotes, Fremde zu unterstützen sensibilisiert uns für jeden Versuch, Geflüchtete und Migranten zu Sündenböcken zu machen. 
    Wir widersprechen, wenn das Sterben von Tausenden Menschen im Mittelmeer bagatellisiert wird. Geflüchtete dürfen nicht in Gefängnisse oder Lager eingesperrt werden. Kindern, die in unserem Land aufgewachsen sind, ist unabhängig vom Herkunftsland ihrer Eltern Bürgerrecht zu gewähren. 
  6. Im Zeitalter von Flucht und Migration braucht die Demokratie Verständigung darüber, wer zugehörig ist. Sie muss sich dem Konflikt zwischen den Rechten schutzsuchender Menschen und der Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens stellen.

In unserer Kirche nennen wir uns Brüder und Schwestern und bemühen uns um einen geschwisterlichen Umgang. Wir wünschen uns und fordern ein, dass auch das Miteinander in unserem Land wieder von mehr Akzeptanz und gegenseitigem Respekt geprägt wird. 
Hasserfüllte Sprache lehnen wir ab und rufen zu einem friedlichen Dialog über die europäischen Grundwerte auf. Die politische Auseinandersetzung braucht Spielregeln und Grenzen. Gewalt und Rassismus dürfen keinen Ort im demokratischen Wettstreit haben.